Viele Menschen denken ans Auswandern, z.B. in ein sonnenfreundlicheres Land, im Alter oder gar schon in jungen Jahren. Aber sprechen sie auch die Sprache dieses Landes? Finden sie genuegend Kontakte, um sich auch wohlzufuehlen? Haben sie ausreichend finanziellen Rueckhalt auch fuer unvorhergesehenes und Notfaelle. Gibt es genuegend gut ausgebildete Aerzte und Krankenhaeuser dort? Welche Vorschriften und Gesetze (z.B. fuer Immigration, Steuer, Erbschaftsangelegenheiten, Firmengruendungen etc.) gibt es fuer sie?

Auswandern schutzt nicht vor dem Fiskus

Die deutsche Steuerpolitik und die schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben auch dazu gefuehrt, dass viele einen Umzug ins Ausland als eine Moglichkeit sehen, ihr muehsam erarbeitetes Vermoegen auf legale Weise dem Zugriff des Finanzamtes zu entziehen. Hinzu kommt, dass sich der Staat standig neue Einkunftsquellen erschliesst, beispielsweise durch die Besteuerung privater Vermoegensgegenstande (z.B. beim Verkauf des Einfamilienhauses) und es offensichtlich auch zu einer Besteuerung der zur Altersabsicherung angesparten Betraege kommen wird.

Manche befuerchten unter diesen Umstaenden sogar eine Neuauflage der Reichsfluchtsteuer. Doch selbst wenn es hierzu nicht kaeme: Schon jetzt versucht das Finanzamt kraeftig zu zugreifen, wenn jemand seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt. Denn bereits nach der gegenwaertigen Rechtslage gibt es die sogenannte Wegzugsbesteuerung.

Ein aufwaendiger Umzug ins Ausland konnte sich deshalb als folgenschwerer Fehler erweisen. Das groesste Problem liegt darin, dass man seine Zelte in Deutschland komplett abbrechen muss, wenn man den deutschen Finanzbehoerden entkommen will. Dies hat eindrucksvoll das Strafverfahren gegen den frueheren Tennisstar Boris Becker gezeigt. Schon eine Liege im Gastezimmer eines Freundes oder eine Haengematte unterm Dachboden machen alle Bemuehungen wertlos. Selbst ein Ferienhaus in Deutschland, das nur 1 x im Jahr genutzt wird, um Freunde und zurueckgelassene Familienangehoerige zu besuchen, gilt dem Finanzamt als schlafbereite Staette. Wer sich mehr als sechs Monate im Jahr in Deutschland aufhaelt, bleibt nach der Abgabenordnung auch wenn er im Hotel wohnt oder sogar im Gefaengnis sitzt auf jeden Fall einkommensteuerpflichtig. Doch auch bei deutlich kuerzeren Aufenthaltsdauern kann es gefaehrlich werden, wenn Finanzbeamte und Finanzgerichte spitzfindig sind. Aber selbst wenn man alle Brucken im Heimatland abgebrochen hat, bleiben Einkunftsquellen mit deutschem Bezug abgabepflichtig, auch selbst dann, wenn die Steuergesetze dieses im eigentlichen Gastland nicht vorsehen.

Solange Sie einen deutschen, schweizerischen oder oesterreichischen Pass besitzen und in diesen Laendern Einkommen erzielen, wird sie der Fiskus damit belangen koennen. Auch auf einen weiterlaufenden Familienbetrieb, ein Wertpapierdepot oder eine vermietete Immobilie greifen die Finanzamter weiterhin zu. Und wer seine Firma vorher stilllegt oder verkauft, muss den Gewinn hieraus ohnehin versteuern, weil die sog. stillen Reserven steuerverhaftet im Sinne des Einkommensteuergesetzes sind. Noch strenger sind die Regeln, wenn jemand in eine sog. Steueroase wie Belize auswandert. Wer in ein Niedrigsteuerland umzieht, unterliegt nach dem Aussensteuergesetz noch 10 Jahre lang der Einkommensteuer. Schweizer Staatsbuerger sind erst dann fur einen regulaeren Wegzug ins Ausland berechtigt, wenn keine Steuerschulden im Lande mehr vorliegen. Es gibt weitere Gefahrenquellen: Wer beispielsweise mit mindestens 1 % an einer Kapitalgesellschaft (z.B. einer GmbH) beteiligt ist, unterliegt einer Zwangsrealisierung seiner Gewinne durch das Finanzamt, sobald er Deutschland verlaesst. Hinsichtlich dieses Punktes gibt es allerdings Loesungsmoeglichkeiten. So kann man sich beispielsweise (noch) durch eine Umwandlung der GmbH in eine Personengesellschaft schuetzen. Langfristig bleibt aus steuerlicher Sicht ohnehin jeder Wegzug aus Deutschland zwecklos, wenn man nicht die eigenen Kinder gleich mitnimmt. Denn anderenfalls muessen diese, wenn der Auswanderer stirbt, das Erbe doch noch in vollem Umfang versteuern. Sind ihre Steuerfragen nicht restlos geregelt, werden ihre Kinder im Ausland womoeglich auch keine Stipendien erhalten.

Aber selbst wenn die Kinder mit umziehen, bleibt ihre Erbschaftsteuerpflicht 5 Jahre lang(in Steueroasen, beispielsweise Belize: 10 Jahre) fortbestehen. Und wenn etwa ein Grundstuck in Deutschland zuruckbleibt, droht sogar eine Doppelbesteuerung mit einigen lateinamerikanischen Landern. Der Fiskus wird sie also weiterhin verfolgen. Sind sie erst in ihrem Gastland integriert, werden bald schon die dringend benoetigten Steuerreformen greifen. Eine Luxusimmobilie im Wert von US$ 250'000 wird dann ebenso besteuert werden, wie damals ihr Reihenhaeuschen in Muenchen. Waren sie in Europa ein ueberzeugter Mercedes-Benz Fahrer, koennte es passieren, dass sie nun wegen Geldmangel gezwungen werden auf eine asiatische Billigmarke wechseln zu mussen.

Warum auswandern?

Das alles sollte niemanden abschrecken, seinen Traum vom Auswandern zu realisieren. Aber: Bevor man weitere Plaene dazu schmiedet, sollte eine tiefgehende Analyse der eigenen Motive und der Grunde vorangestellt werden. Dazu erstellt man am besten eine Pro- und Contra-Liste von gegebenen Umstaenden und unterscheidet genau zwischen persoenlichen Motiven, die vom Auswanderungsland unabhangig sind und zwischen Gruenden, die das Wunschland betreffen. Warum findet man das Leben an einem Traumstrand, der schon morgen von Hotelburgen verbaut sein koennte so erstrebenswert? Findet man sein Lebensglueck nicht ueberall? Was stoert einem in Europa? Was waere bei der Indianerbevoelkerung in Talamanca anders als in Deutschland? Will man wirklich seinen Lebensstil aendern oder nur das "europaeische Leben" nach dorthin exportieren? Wenn man "aussteigen" will, sucht man nicht oft vergebens einen Weg "zurueck zur Natur" in einer fremden Welt, warum ist dieses nicht am Bodensee oder im Westerwald moeglich?

 

Menschen aus Zentralamerika wollen nicht "aussteigen", im Gegenteil, viele wollen den westlichen Lebensstil und emigrieren zu hunterttausenden nach den USA.

Coca Cola McDonalds und PizzaHut Sollten Sie der Meinung sein, dass Zentralamerika am Ende der Welt liegt, liegen Sie falsch! Sicherlich gehoeren einige dieser Lander zu den aermsten der Welt, sie koennten womoeglich auch leben wie die Aermsten auf dieser Welt, doch kaum jemand, der aus hochindustrialisierten Leandern auswandert, ist auch wirklich bereit dazu. In Wahrheit liegt der Trend in gesamt Lateinamerika in einem amerikanischem kapitalistischen System, das zum Ziel hat, dieselben Werte zu erreichen, die in den meisten Laendern Europas schon lange zum taeglichen Leben gehoeren. Wie Coca Cola, McDonalds und PizzaHut werden Vollkornbrot, Yoghurt und Schokolade in Zentralamerika mit denselben Maschinen hergestellt, die auch in Europa verwendet werden. TetraPak ist TetraPak, Zement kauft man denselben bei Holderbank in Brasilien, New York oder Panama. Mercedes Benz, Ford und Toyota sind dieselben wie ueberall, Benzin dazu erhalt man bei Shell in Berlin, wie in Managua, San Jose oder Belmopan. Suppen von Maggi und Knorr sind in jeder Pulperia erhaltlich, die es leider bald nicht mehr geben wird, weil die grossen Supermarkte in die man nur noch einmal pro Woche mit dem Auto einkaufen faehrt, einiges guenstiger sind als der Tante Emma Laden umd die Ecke. Kinder wuenschen sich zu Weihnachten am liebsten wie ueberall auf der Welt Nintendo, Barbie und Lego und gehen am Tag nach der Bescherung gerne mit den Eltern in ein Fastfood Restaurant essen, um sich nachher den neuesten Walt Disney Streifen im Kino ohne Hunger ansehen zu konnen. Im Januar werden die Geschenken zum umtauschen, weil der Sohn lieber ein rotes anstatt blaues Fahrrad haben moechte. Eine neue Existenz Das Hauptproblem in Zentralamerika ist, eine Erwerbsquelle zu finden. Die Kaufkraft ist nur sehr gering und es ist nicht einfach, als Auslander sich dem Lebensstil anzupassen. Die Inflationsrate frisst einem ein Loch in den Geldbeutel, Kreditgeber verlangen von einem bis zu 25% Jahreszins inkl. Bearbeitungsgebuehren. Ein Hypothekarzins ist in der Schweiz zehn mal guenstiger zu bekommen als z.B. in Costa Rica. Rentenversicherungen stecken oft noch in den Kinderschuhen und die Staaten leiden an permanentem Geldmangel um nur das notigste an Infrastruktur erledigen zu koennen.

Finanzielle Sicherheit kann man eigentlich nur erreichen, indem man entweder das Geld von Auslaendern abzweigt, oder Auftraege ueber ein eigenes gutgehendes Geschaeft bekommt. Letzteres ist in Belize in verschiedenen Branchen durchaus moglich. Hier gibt es gerade im Handwerk in den verschiedensten Bereichen grossen Bedarf. Autoelektriker, Automechaniker, Fleischer, Computerspezialisten mit wirklichen Kentnissen sind hier ausserst rar und wuerden ein breites Betaetigungsfeld finden. Das Gleiche gilt fur verschiedene Berufe der Touristenbranche wie Koch oder Hotelmanager. Als Angestellter mussen sie zufrieden sein, mit dem, was sie in Deutschland vor 25 Jahren verdient hatten.nGrundsatzlich ist zu ueberlegen, mit welchen Voraussetzungen man in diesen Laendern startet. Das betrifft vor allem den finanziellen Hintergrund. Moechte man z.B. im Tourismusgeschaft taetig werden, oder etwas Neues aufbauen, ist es sehr empfehlenswert und wichtig, einen ausreichenden finanziellen Hintergrund fur die Anfangsinvestitionen zu haben. Diese konnen je nach Vorhaben relativ hoch werden und bewegen sich meist in sechstelligen Dollarsummen. Wenn die Idee besteht, eine Existenz im Tourismus aufzubauen, sollte man sich auch immer darueber im Klaren sein, dass man gegenueber den etablierten Mitspielern in diesem Business nur als kleiner Fisch mitschwimmt, ausser sie haben tatsachlich vor, Investitionen in Millionenhohe zu taetigen. Viele kleine Hotelunternehmen finanzieren sich aus Not mit Neben- und Gegengeschaften wie Autovermietung etc. Zwar kann der allgemeine Lebensunterhalt im Moment noch etwas niedriger gehalten werden als in Europa, aber das betrifft nur die Grundbeduerfnisse. Weitere Investionen, wie Telefon, Auto, Computer, vor allem Importguter sind wesentlich teuer wie in Europa. Ausserdem besteht wie in jedem Land der Welt ein gewisser Rassismus gegenuber Auslaendern, es sei denn, die Einheimischen profitieren von ihrem Kapital, dass in Projekte und Lebensunterhalt im jeweiligen Land investiert wird. FAZIT: Ohne ausreichende Kenntnisse uber die Laender Zentralamerikas, die Kultur dieser Lander und ein gutes finanzielles Polster fuer die Anfangsphase und evtl. Investitionen wird es aeusserst schwierig werden Fuss zu fassen.

Vorbereitung

Sehr wichtig ist natuerlich eine gute Vorbereitung, vor allem was Sprachkenntnisse anlangt. Die Sprache ist immer der Schluessel dazu. Auswanderer, die die jeweilige Landessprache nicht verstehen, verstehen auch nicht die Kultur in der sie leben. Dafuer gibt es genugend Beispiele von Gastarbeitern in Europa. Erkundigen sie sich auch bei den jeweiligen Aemtern (Botschaften, Konsulate) uber die Vermoegensnachweise, die sie benoetigen um uberhaupt in ein Land einwandern zu konnen. Sie besorgen sich diese Unterlagen am besten vor Ort in den dafur eigens zur Verfuegung stehenden Immigrationsburos der jeweiligen Staaten. Anwaelte vor Ort konnen ihnen zwar helfen, den buerokratischen Aufwand schneller abzuwickeln, sind jedoch keine Garantie fur die Aufnahme ihrer Person. Sie benoetigen Anwalte oder Friedensrichter um Dokumente beglaubigen zu koennen in jedem Falle. Klassisches Einwanderungslander wie die USA, Kanada und Australien haben aus gutem Grund strengere Einwanderungsbestimmungen als Zentralamerika. Berufliche Qualifikation und genugend finanzielle Reserven werden jedoch vermehrt auch von den zentralamerikanischen Laendern gefordert. Zum Teil sind diese Bestimmungen bereits Tatsache geworden und macht es fur viele Einwanderungswilligen unmoeglich, eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Haben sie vor, irgend welche Investitionen zu taetigen oder gar ein eigenes Unternehmen zu eroeffnen, setzen sie sich mit den jeweiligen Handelskammern und Wirtschaftsorganisationen in Europa und Zentralamerika in Verbindung. Sie werden erstaunt sein, mit welchen effizienten Mitteln man ihnen dort helfen kann, welche Standorte und Branchen fur sie interessant sind und wie sie ihre Investitionen am besten absichern koennen. Sollten formelle Unterlagen wie z.B. ein polizeiliches Fuehrungszeugnis negative Eintrage aufweisen, wird es fur sie schwierig werden, in dem angestrebtem Heimatland aufgenommen zu werden. Sollten sie auf einer Fahndungsliste bei Interpol stehen, dann mussen sie sich etwas ganz besonderes einfallen lassen. Lateinamerikanische Kultur

Man sollte sich schon vorher daruber klar sein, dass man in dem anderen Land als Auslaender stets ausgegrenzt leben wird. Ganz unabhangig davon, dass die Einwohner Lateinamerikas sehr herzlich und gastfreundlich sind. Sie haben jedoch einen anderen Hintergrund, andere Erinnerungen, Vorstellungen und Lebensziele als beispielsweise die Mayas in Guatemala oder die Garifuna in Belize. Hinzu kommt ein tief verwurzelter hoeherer Lebensstandard, mit dem wir aufgewachsen sind, und den man nicht so leicht ablegen kann. Es ist sicherlich einfach, ein paar Monate ohne Fernseher auszukommen, aber ist es auch so einfach, permanent ueber Strassen zu fahren die mit Schlagloechern ubersaeht sind oder zu Verabredungen zu gehen, von denen sie nie wissen, um welche Uhrzeit der Gegenuber erscheint oder ob ueberhaupt? Erst mal eine Probephase Eine Art Probephase durchzuziehen ist eine gute Gegebenheit, der sie sich vor der endgueltigen Entscheidung nach Zentralamerika auszuwandern, stellen sollten. Das sollten schon ein paar Wochen sein, in denen man das Land und die Menschen kennenlernt, und gebenenfalls auch die Moeglichkeiten wo und wovon man dann dort leben kann. Nehmen sie sich fur die ersten zwei Wochen einen Begleiter, der den Weg vor ihnen gegangen ist, lassen sie sich das Land zeigen, die wichtigsten Eigenarten, Fakten und Tricks erlautern und versuchen dann die verbleibende Zeit, sich allein oder mit ihrer Familie durchzuschlagen. Lassen sie sich von da an in keiner Weise mehr von eigenen Landsleuten helfen, wenden sie die Erfahrungen aus den ersten zwei Wochen an und lernen selbsstandig hinzu. Nur auf diesen Weg erfahren sie die wirklichen Gegebenheiten am besten. Wir haben diesen Weg gewaehlt und haben es ohne grossen finanziellen Background geschafft. In den elf Jahren, in denen wir jetzt in Belize leben, haben wir einige deutsche Einwanderer kommen sehen, und auch wieder gehen. Es war keiner dabei, der irgend etwas von Wert mit zurueck genommen hat. Wer Selbstueberschatzung, Arroganz und Ignoranz als Begleiter auf den Weg in die Fremde waehlt, hat sich mit erbitterten Feinden eingelassen